Von Wollaffen und Erdhunden – Chinesisches Spielzeug

08.09.2015 - 28.01.2016


Ausstellungsfolder

 

Von Wollaffen und Erdhunden.


Das chinesische traditionelle Spielzeug ist in seiner Bedeutung vielfältiger als das in Europa. Das Spielzeug kann einen magischen oder Opfercharakter haben, ein Andenken sein, Glück bringen, pädagogische Bedeutung haben, Element von Jahres- oder Lebensfesten sein oder einfach dem kindlichen Spieltrieb dienen. Es kann auch sein, dass das Spielzeug mehrere Aspekte in sich vereinigt. So haben etwa die „Erdhunde“ der Provinz Henan einen magisch-mythologischen Ursprung. Sie werden als Souvenir eines lokalen Tempelfestes gekauft. Wenn der heimgekehrte Vater sie seinen Kindern zuwirft, bringt dies nicht nur Spaß beim Spielen, sondern auch eine reiche Ernte.
Oft hat sich ein Instrument der Erwachsenen mit der Zeit zu einem Kinderspielzeug entwickelt. Dazu gibt es reichlich Beispiele. So etwa war das Fußballspiel im 2. Jahrtausend vor Christus Bestandteil eines Tanzes, um Regen zu beschwören. In der zweiten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrtausends wurde es Teil der militärischen Ertüchtigung, bis es schließlich zu einem Spiel der Kinder wurde.
Die Handdrehtrommel fand ursprünglich bei feierlichen Zeremonien Verwendung und wurde später dann ein Werkzeug der Standler und Hausierer, um Käufer anzulocken. Heute ist sie nach wie vor auf Märkten und bei fliegenden Verkäufern in Gebrauch, ist aber auch gleichzeitig ein Spielzeug der kleinen Kinder. Ebenso verhält es sich mit dem Flugdrachen, welcher vor mehr als 2000 Jahren zuerst ein Werkzeug für militärische Signale oder für Landvermessung gewesen ist, bevor ihn die Kinder für sich entdeckten. Doch auch die Erwachsenen lassen Drachen steigen. Sie teilen einerseits mit den Kindern das Vergnügen, aber es gibt darüber hinaus weitere Begleitumstände: Fliegen zum chinesischen Totenfest Qingming Anfang April die Drachen hoch, so wird es eine gute Ernte geben. Man kann auf den Drachen Liebesgedichte schreiben, den Drachen loslassen und hoffen, dass die Finderin ein hübsches Mädchen ist, oder man möchte bestehendes Unglück loswerden, indem man die Schnur des Drachen kappt, damit er mit allem Ungemach davonfliegt.
Beim chinesischen Spielzeug gibt es auch Parallelen und Konvergenzerscheinungen im Vergleich mit Europa. Blickt man auf Brueghels Gemälde der spielenden Kinder, so findet man fast alles auch in China.
Wie die berühmten chinesischen Darstellungen von „100 spielenden Kindern“ zeigen sind Unterhaltungen wie „Blinde Kuh“ oder Fangenspielen auch in China daheim.
Besonders ist die Bindung bestimmten volkstümlichen Spielzeugs an Tempelfeste, welche unseren Kirtagen ähneln. Ein Beispiel dafür sind Hasenfiguren, welche aber nicht zu Ostern sondern zum Mondfest im September angeboten und gekauft werden.
So zeigt die Schau im Österreichischen Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum das große China in kleinen Dingen.


Traditionelles chinesisches Puppenspiel im Wirtschaftsmuseum mit LIN Ping:

Dienstag, 27. 10. 2015 und
Mittwoch, 09. 12. 2015, jeweils um 10 Uhr

 

Pressefotos:

Mondhase
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Stoffaffe
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100 spielende Kinder
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Holzspielzeug
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Tonhund
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Pferdefuhrwerk
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Bauernmalerei, Drachen steigen
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Herstellung von Erdhunden
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